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Donnerstag , 14 November 2019

Vom Schießstand ins Klassenzimmer: Kathrin Hitzer erfüllt sich Lebenstraum

Foto: Christian Einecke – www.cepix.de

»Ich habe mir meinen Traum erfüllt. Ich stehe im Klassenzimmer vor der Tafel und unterrichte Schüler«, sagt die ehemalige Weltklasse-Biathletin Kathrin Hitzer. Die heute 33-Jährige unterrichtet an der Grundschule in Inzell.

Bereits in jungen Jahren war das der Berufswunsch der in Balingen auf der schwäbischen Alb geborenen Sportlerin. Zunächst aber spielte sie Fußball und zeigte ihr musikalisches Talent am Klavier und Waldhorn, ehe sie im Alter von zwölf Jahren zum Biathlon wechselte. Schon bald erkannten die Trainer ihr Talent.

Über das Sportinternat Furtwangen kam sie nach dem Abitur zum Stützpunkt nach Ruhpolding. »Ich hatte so viel Spaß beim Laufen und Schießen und so hat mich schnell der Ehrgeiz gepackt«, erinnert sie sich an die Anfänge. Allerdings war ihr in dieser Zeit auch klar, dass ein Leben als Leistungssportler nur von begrenzter Dauer ist. »Die Zeit nach der Karriere ist viel länger. Daher war für mich schnell klar, später etwas mit Kindern zu machen. Am liebsten als Lehrerin.«

Zunächst aber stand der Sport im Mittelpunkt bei Kathrin Hitzer und die ersten Erfolge ließen auch nicht lange auf sich warten. Neben Erfolgen wie zwei Weltcupsiegen in der Verfolgung und Massenstart, sechs ersten Plätzen mit der Staffel sowie Topplatzierungen bei Weltmeisterschaften gab es immer wieder Rückschläge. »Ich habe alles mitgenommen, Höhen und Tiefen, Erfolge und Verletzungen.«

Mit ihrer offenen Art eckte sie das eine oder andere Mal bei Trainern und Funktionären an. »Ich vergleiche uns Sportler oft mit Künstlern. Man muss kreativ sein und sich trauen, auch mal etwas ‚anders‘ zu machen. Dazu benötigt es eine spezielle Mischung aus Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Spaß, um sich in der Weltspitze durchsetzen zu können. Spitzensport ist schon eine starke Herausforderung«, gibt die vom SC Gosheim zum TSV Siegsdorf gewechselte Sportlerin zu. Sie meint: »Vielleicht hätte ich manches nicht sagen sollen, für meine sportliche Karriere wäre das wohl besser gewesen. Aber ich war immer ehrlich und fair und das ist mir nach wie vor sehr wichtig.«

2011 wurde Kathrin Hitzer schwanger und brachte im Sommer 2012 ihre Tochter Lenia Maria zur Welt. Nach der Geburt startete sie ihr sportliches Comeback, zwei Jahre später hing sie die Langlaufbretter und das Gewehr an den Nagel. Sie bekam vom DSV damals keinen Kaderstatus mehr.
Daraufhin begann sie in Salzburg ein Studium zum Lehramt und bekam anschließend eine Anstellung als Lehrerin an der Grundschule Inzell. Mittlerweile ist ihre Tochter Lenia Maria sieben Jahre alt und bereits auf Langlaufskiern unterwegs. »Ich habe sie schon als Baby hinter mir nachgezogen, wenn ich in der Loipe unterwegs war. Jetzt skatet sie selbst eifrig, will aber noch keine Wettkämpfe bestreiten. Ich dränge sie nicht dazu, dass soll sie selber entscheiden.«

In ihrem Beruf als Grundschullehrerin hat Kathrin Hitzer ihre Erfüllung gefunden. Sie unterrichtet eine gemischte Klasse mit Mädchen und Buben. »Das funktioniert alles bestens«, freut sie sich. »Natürlich wissen meine Schüler, dass ich mal eine erfolgreiche Sportlerin war. Sie fragen mich viel über diese Zeit und sind auch ein bisschen stolz darauf, mich als Lehrerin zu haben.«
In ihre alte Heimat kommt sie nicht mehr oft. »Ich bin ja schon zwanzig Jahre weg, meine neue, zweite Heimat ist der Chiemgau und von da will ich auf keinen Fall mehr weg. Ich mache hier zum Ausgleich meinen Sport ohne Druck. Ich gehe auf die Berge und freue mich auf die Brotzeit auf einer Alm.«

Kontakt zum Biathlon hat sie noch gelegentlich. Zuletzt war sie bei den Deutschen Meisterschaften in Ruhpolding vor Ort. Übertragungen vom Weltcup im Fernsehen schaut sie eher selten.

»Bei uns damals war es noch etwas gemütlicher«

»Biathlon hat sich im Wandel der Zeit weiter optimiert. Bei uns damals war es noch etwas gemütlicher. Wir haben zusammen mit der Mannschaft einiges unternommen, sind mal ins Kino oder Tanzen gegangen. Ich habe den Eindruck, dass mittlerweile diese Geselligkeit neben dem Sport nicht mehr so stark gelebt wird. Das finde ich schade.«

Kathrin Hitzer engagiert sich auch als Schirmherrin der Chiemgau-Team-Trophy. Hier handelt es sich um einen Genusslauf von Inzell über Ruhpolding nach Reit im Winkl. »Da haben die Teilnehmer Spaß an der Bewegung in der freien Natur. Dahinter stehe ich sehr gerne«, betont sie. Kathrin Hitzer schließt auch nicht aus, in Zukunft Kindern als Trainerin das Langlaufen beizubringen. »Das könnte ich mir gut vorstellen«, meint sie.

Mit freundlicher Genehmigung von Siegi Huber – Traunsteiner Tagblatt

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