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Mittwoch , 14 November 2018

Selina Gasparin und ihr steiniger Weg zum Gipfelkreuz aus Edelmetall

Langlaufambitionen in der Kindheit

Die 34-jährige Schweizerin Selina Gasparin (03.04.1984) ist die Vorzeigesportlerin des Schweizer Biathlonteams und dessen erfolgreichste Athletin. Dass sie ursprünglich Langläuferin werden wollte, sogar in der Junioren-Nationalmannschaft war und mit 19 Jahren aufgrund der guten Trainingsbedingungen für ein Jahr lang in Norwegen trainierte, dürfte jedoch den wenigsten Biathlonfans bekannt sein. Erst ein Schnuppernachmittag beim Biathlon weckte das Interesse und später auch die Leidenschaft für diesen Sport, wie ihre Autobiografie verrät.

Und auch wenn es bei ihrem ersten Rennen 2004 noch nicht so aussah und die damaligen Ergebnisse am Schießstand noch sehr viel Luft nach oben ließen, sollte sie etwa ein Jahrzehnt später die Früchte ihrer Ausdauer und ihres Kämpferherzes ernten können. Bis 2010 war sie die einzige Frau im Schweizer Biathlonteam, musste sich dort bewähren und Respekt verschaffen, bis nach den Olympischen Spielen in Vancouver ihre Schwester Elisa ins Team kam. Eindrucksvoll schildert sie den größten Augenblick ihrer Karriere als Biathletin: den Gewinn der Silbermedaille im Einzel über 15 km bei den Olympischen Spielen in Sotchi 2014.

Es sind ausgerechnet diese Olympischen Wettbewerbe, die ihr den langgehegten Kindheitstraum erfüllten, für den sie sich seit frühester Kindheit tagtäglich abmühte und einen sehr steinigen Weg ging. Eine beschauliche Kindheit im Oberengadin in der Schweiz, die sie nach zunächst sieben Jahren als Einzelkind verbrachte, bevor 1991 und 1994 ihre geliebten Schwestern Elisa und Aita geboren wurden, was sie selbst als die Komplettierung des „Sister-Act-Trio“ bezeichnet. Deshalb hasst sie es bis heute, ihren Schwestern im Wettkampf zu begegnen, schreibt sie in ihrem Buch, denn dann seien sie Konkurrentinnen, aber es sei ein komisches Gefühl, weil sie die beiden liebe.

Früh übt sich … erste alpine Rennen bereits als Dreijährige

Eine Beinverformung führte schließlich dazu, dass Selina bereits früh mit Sportarten wie Ballett, Langlauf, Eiskunstlaufen, Schwimmen und Reiten begann. Und so stand sie auch bereits von Kindesbeinen an wie selbstverständlich auf Skiern, fuhr schon dreijährig erste alpine Rennen. Bereits damals packte sie ein unbändiger Ehrgeiz, der sie bis heute antreibt: Sie baute sich Hindernisparcours und versuchte diese so schnell wie möglich, mit jedem Lauf schneller auf Skiern zu absolvieren. Sie beschreibt dies sogar als eine Art Sucht und dieser Wettkampfgedanke manifestierte sich, ließ sie nicht mehr los, wurde ein Teil von ihr.

Bis zur letzten Runde lässt sie sich bei diesem 15-km-Einzelrennen mit vier Schießeinlagen keine Zeiten durchgeben, um sich nicht zusätzlich unter Druck zu setzen. Und sie schafft es, fehlerfrei zu bleiben, liegt auf Rang 2 und sollte diesen Platz auch ins Ziel retten. Dort kann sie lange Zeit nicht glauben, was sie an diesem Tag Grandioses geschafft hat, eine Genugtuung für die harte Arbeit und ein unvergesslicher und sehr emotionaler Moment als sie bei der Siegerehrung die Medaille bekommt, den Selina so beschreibt:

Diese Siegerehrung bleibt für immer in meiner Erinnerung. Die Zeit ist wie stehen geblieben. Jedes Mal, wenn ich zurückdenke, duchlebe ich jede Sekunde nochmals. Es ist mein Verdienst für das jahrelange, intensive Training, eine Anerkennung für die harte Arbeit. Es war für alle klar, selbst die Journalisten sprachen von einer Silbermedaille, die goldig glänzt, und niemals wurde ich gefragt, ob ich eine Goldmedaille verpasst hätte, denn auch mit der silbernen habe ich das gleissend leuchtende Gipfelkreuz endlich erreicht!

Ein Gänsehautmoment, nicht nur für die Athletin selbst, auch für ihre Familie, ihre Trainer, Crew und Teamkollegen, für die Schweizer und auch für mich, die beim Lesen quasi das Kribbeln, diese Glücksgefühle nach der gewonnenen bzw. hart erkämpften Silbermedaille nachempfinden konnte.

Überhaupt ist Selina ihr Umfeld, allen voran ihr Mann, der russische Langläufer Ilya Chernousov, den sie 2011 im Trainingslager in Andermatt kennenerlernte, sowie ihre kleine Tochter Leila, geboren am 27.02.2015, sehr wichtig; ebenso schwierig war es für Selina, nach der Geburt ihrer Tochter wieder im Weltcupzirkus Fuß zu fassen, doch ihre Ausdauer sollte sich erneut auszahlen, nämlich am 23.01.2016 beim Verfolgungsrennen in Antholz, in das sie als 16. (51 Sekunden Rückstand) ging, jedoch nach einem Fehler im Liegendschießen alle weiteren drei Schießeinlagen fehlerfrei absolvierte und eine unwiderstehliche Aufholjagd startete, auf den letzten Metern sogar noch die starke Italienerin Dorothea Wierer überholte, die ihr am Ende den zweiten Rang einbrachte. Ein besonders emotionales Rennen für die Schweizerin, weil in der Nacht zuvor ihre Großmutter, Nelly Giuliano, verstorben war, mit der sie zwei Jahre zuvor noch deren Geburtstag mit ihrer Medaille in Sotchi gekrönt hatte:

Wie in Sochi einen zweiten Platz, der nach der Babypause für mich einem Sieg gleichkam. Diesen widmete ich meiner Großmutter Nelly!

Auch ihre beiden Schwestern, Elisa und Aita, die ebenfalls erfolgreiche Biathletinnen sind und ihr in schwierigen Zeiten Kraft geben, sind Selinas wichtigste Stützen und stets Motivatorinnen. Gemeinsam haben sie Geschichte geschrieben, als sie 2012 die erste Schweizer Damenstaffel bei einem Weltcuprennen stellten, später auch noch mit Aita und in Sotchi sogar einen Top-Ten-Platz erreichten.

Training in der Schwangerschaft und Warten auf das Baby

Und so ist es gerade ihre bodenständige, natürliche Art, die ihre Fans begeistert. Die kleine Familie ist inzwischen noch weiter gewachsen, denn Selina hat am 14.10.2018 ihre zweite Tochter, Kiana, zur Welt gebracht, verkündete aber bereits während ihrer Schwangerschaft, in der sie natürlich auch weiterhin trainierte (siehe Bild oben), dass sie ihre Karriere nach nur einer Saison Pause fortsetzen werde, vielleicht sogar noch zum Ende des Winters 2018/2019. Wir gratulieren ganz herzlich zum Nachwuchs und freuen uns schon auf ein Wiedersehen im Weltcup spätestens in der Saison 2019/2020.

Selinas sehr lesenswerte Autobiografie ist per E-Mail-Anfrage erhältlich unter:

welcome@gasparin.ch und info@aegis-literatur.de

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