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Montag , 18 Juni 2018

Interview mit Thierry Langer

Thierry Langer ist in seiner Heimat ein Exot. Der Belgier ist Biathlet und Langläufer und startete bei den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang für sein Heimatland im Langlauf. Zusammen mit Michael Rösch, Florent Claude und Tom Lahaye-Goffart sorgte er in der vergangenen Saison in Hochfilzen und Oberhof für überraschende Staffelergebnisse. Der 26-Jährige trainiert und studiert in Clausthal-Zellerfeld.

Thierry Langer (BEL) – Foto: Max Fischer

Wie bist du als Belgier zum Biathlon gekommen?

Meine Familie ist extrem sportbegeistert. In meinem Heimatort ist der Name „Langer“ im belgischen Langlaufsport stark vertreten. Ich komme aus der belgischen Eifel. Dort liegt im Winter Schnee. So habe ich neben Fußball und Leichtathletik im Winter Langlauf gemacht. Anfang der 2000er begann dann der Biathlonsport in Belgien zu wachsen und somit auch das Anstreben des Verbandes, junge Athleten für sich zu gewinnen. Im Sommer 2005 habe ich mein erstes Trainingslager im Sauerland mit einer Waffe absolviert, im Alter von 14 Jahren, und 2006 bin ich schon in Gurnigel, Schweiz, beim ersten Junior Europacup gestartet. In Belgien hat man natürlich geringere Konkurrenz, verglichen zu Deutschland.

Wie oft trainierst du?

Als ich mit 18 für mein Chemiestudium nach Clausthal‑Zellerfeld gezogen bin, war das Training sehr unregelmäßig. Ich habe aber versucht eine gewisse Form zu halten, das Studium hatte aber Priorität. Vor 2 Jahren habe ich dann meinen Master begonnen und konnte mir durch mehr Routine im Studium und einem angenehmeren Stundenplan mehr Trainingszeit einplanen. So habe ich die letzten 2 Jahre ca. 6 bis 12 Trainingseinheiten in der Woche absolvieren können, je nachdem ob ich im Labor arbeiten musste oder nicht. Dennoch komme ich noch immer nicht an die Trainingsstunden eines Profis heran. Im Olympiawinter habe ich erstmals ein Urlaubssemester eingelegt, um an allen wichtigen Wettkämpfen teilnehmen zu können.

Warum trainierst du in Niedersachen?

Ich kannte Clausthal‑Zellerfeld nur durch Arnd Peiffer, Daniel Böhm und Franziska Hildebrand. Nach dem ich 2009 den 21. Platz bei der Jugendweltmeisterschaft in Canmore erreichte, wollte ich eine Wintersaison professionell trainieren. Außerdem schnupperte ich schon in der Saison 2009/10 Weltcupluft. Im Frühling 2010 habe ich dann nach einem Studienort gesucht. Für das Fach Chemie gab es damals nur zwei Ergebnisse, das eine war die Technische Universität in Clausthal-Zellerfeld, von der ich gar nicht wusste, dass sie existiert. Da der Wintersport für mich alles ist, war das eine leichte Entscheidung. Ich habe mir die Uni mit meinem Vater angeschaut und mich direkt eingeschrieben. So bin ich in Niedersachsen gestrandet.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem WSV Clausthal-Zellerfeld?

Ich absolviere zusammen mit den Jugendlichen das Schießtraining. Die meisten Einheiten trainiere ich aber alleine, um zeitlich flexibel zu sein. Der Einstieg war durch meinen engen Stundenplan schwer. Ich brauchte zwei Jahre um mich in der neuen Heimat einzugewöhnen. Dennoch bin ich froh, dass der WSV mich so gut aufgenommen hat.

Wie schaffst du den Spagat zwischen Leistungssport und Studium?

Jetzt wo ich mehr Routine in der Planung von Praktika, Prüfungen usw. besitze ist es für mich einfacher beides unter einem Hut zu bekommen. Auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Ein wichtiger Faktor, dass ich bis jetzt durchgehalten habe, ist der professionelle Wandel des belgischen Biathlons durch Michael Rösch. Ihm habe ich sicherlich auch meine Motivation zu verdanken, denn ohne Motivation, Ziele und Spaß an der Sache kann Leistungssport nicht funktionieren.

Wie ist der Zusammenhalt in der belgischen Biathlonmannschaft?

Wir sind wirklich ein buntes Team. Ein ehemals Deutscher, ein ehemals Franzose, ein französischsprachiger und ein deutschsprachiger Belgier. Zwei wohnen in Frankreich und zwei in Deutschland an verschiedenen Orten. Die gemeinsame Sprache ist Englisch, jedoch geht es auch mal auf Französisch oder Deutsch hin und her und dann bin ich als Übersetzer gefragt.

Wie schätzt du die Entwicklung des belgischen Biathlons ein?

In den letzten Jahren hat sich viel verändert. Der Verband ist durch Michael Rösch und Florent Claude professioneller geworden. Anfangs wachsten wir unsere Skier selbst. Wir mussten deswegen eine Stunde früher am Wettkampfort sein. Heute haben wir zwei Skitechniker, die unsere Ski präparieren. Andererseits liegt das Ganze noch auf den Schultern von Ehrenamtlichen, die einen Job neben der Planung und Leitung haben. Da fehlt es an den finanziellen Mitteln. Der Aufwand hat sich bis zu diesem Punkt aber gelohnt. Im letzten Jahr haben wir es durch die Staffeln in Hochfilzen und Oberhof geschafft, dass die ganze Biathlonwelt über Belgien redet.

Was war das beeindruckendste Erlebnis bei den Olympischen Spielen für dich?

Mein eigener Wettkampf im Langlauf war ein großes Highlight. Den Titel von Arnd Peiffer im Biathlon-Sprint fand ich klasse. Abseits der Piste beeindruckte mich der Zusammenhalt der Süd‑ und Nordkoreaner. Das könnte tatsächlich einer dieser historischen Momente gewesen sein, bei dem der Sport eine gewisse Verbindung wiederherstellt.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

In diesem Sommer hat mein Studium Priorität. Ich schreibe meine Masterarbeit, die ich vor Beginn des Winters abschließen möchte. Außerdem versuche ich finanzielle Unterstützung aufzutreiben, um meinen Sport nach dem Studium als Profi ausüben zu können. Im IBU- und Weltcup möchte ich meine persönlichen Rekorde verbessern. Die letzten zwei Jahre habe ich einen enormen Leistungssprung gemacht, von Platzierungen jenseits der Top 60 im IBU‑Cup habe ich dieses Jahr einen 15. Platz im IBU‑Cup erreicht und ich bin mir sicher, dass eine weitere Steigerung möglich ist, wenn ich professionell trainiere. Das große Ziel ist dann die Teilnahme an der Olympiade 2022 mit der Staffel und im Einzelwettkampf.

Thierry Langer (BEL) beim Weltcup in Hochfilzen – Foto: Detlef Eckert

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