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Dienstag , 10 Dezember 2019

Interview mit Lukas Hofer

Dorothea Wierer und Lukas Hofer gewannen die Silbermedaille in der Single-Mixed-Staffel von Östersund – Foto: Pierre Teyssot/Pentaphoto

Montal/Östersund – Der Südtiroler Lukas Hofer hat im Sommer hart gearbeitet, um in der bevorstehenden Biathlonsaison 2019/20 eine gute Figur abzuliefern. Außerdem freut er sich auf die Heim-Weltmeisterschaft, die im Februar 2020 in Antholz stattfindet. Auch wenn es bekanntlich nur drei Medaillen gibt, will der Pustertaler niemals aufgeben und bis zur Ziellinie um das berühmt-berüchtigte Edelmetall kämpfen. 

Lukas, auch wenn das letzte Rennen der Saison 2018/19 lange zurückliegt, möchte ich von dir wissen, wie du den vergangenen Winter benotest? An welches Rennen erinnerst du dich besonders gerne zurück und welches würdest du am liebsten aus dem Gedächtnis streichen?

Die letzte Saison war – im Ganzen betrachtet – sehr gut. Das Ziel, wieder unter den besten Zehn des Gesamtweltcups zu sein, habe ich erreicht. Von der Weltmeisterschaft in Östersund bin ich mit zwei Medaillen nach Hause zurückgekehrt und auch im Weltcup bin ich einige Male aufs Podest geklettert. Schade, dass es nicht mit der Einzelmedaille geklappt hat, aber vielleicht habe ich das notwendige Quäntchen Glück bei der Heim-Weltmeisterschaft im Antholz.

Ein schönes Rennen, an das ich immer wieder gerne zurückdenke, war das Einladungsrennen auf Schalke, das ich zusammen mit Dorothea Wierer gewonnen habe. Auch die Silberne, die ich ebenfalls mit Doro erreichte, erweckt in mir schöne und emotionale Erinnerungen. Das waren zwei schöne – mental gesehen aber – sehr anstrengende Renneinsätze. Den Moment, den ich streichen möchte, obgleich ich schöne Erinnerungen an die Junioren-Welttitelkämpfe habe, ist nicht nur ein Rennen, sondern die eiskalte Etappe in Canmore.

Bereitet man sich in der warmen Jahreszeit härter auf eine Saison vor, wenn man weiß, dass eine Weltmeisterschaft vor heimischer Kulisse stattfindet oder sind die Trainingseinheiten im Grunde genommen mehr oder weniger gleich?

Im Großen und Ganzen ändert sich in der Vorbereitung nicht so viel. Klar will ich in der bestmöglichsten Form in Antholz antreten, aber man sollte sich auch nicht zu viel darauf versteifen. Man versucht natürlich auch, Feinheiten zu verbessern, um die eigene Leistung zu steigern und zu intensivieren.

Aber die Linie bleibt immer noch dieselbe. Erst im Laufe des Sommers, so gegen Ende/Mitte Juni, wird das Schießen mit der Ausdauereinheit kombiniert. Während der Vorbereitung kommt es zu einem spezifischeren Zeitraum, wo man mit viel Intensität zu Tage schreitet und bei den italienischen, deutschen oder österreichischen Rollermeisterschaften zum Abschluss sein Können unter Beweis stellt. Nach diesen Einsätzen haben wir nochmals einen Monat frei, in dem wir abschalten und unsere Batterien aufladen können.

Es folgt einer der wichtigsten Teile der Saison. Erste Schneetrainings und das Feilen am eigenen Feinschliff, den Aufbau in Richtung Winter betreffend, stehen an. Während der warmen Jahreszeit befinden wir uns mehr oder weniger in den typischen Trainingsorten wie Antholz, Martell, Forni Avoltri, Ramsau, Ruhpolding, Oberhof und Obertilliach. Den Abschluss bildet immer das Trainingslager im hohen Norden Europas, wo wir das Langlaufen mit dem Schießen verbinden können und wieder an die täglichen Abläufe gewöhnen. So ein Jahr vergeht im Nu. Kaum beginnt der Aufbau, ist man schon in Schweden beim ersten Weltcuprennen.

Foto: Marco Trovati/Pentaphoto

In der vergangenen Saison pushten sich die Biathletinnen Lisa Vitozzi und Dorothea Wierer zu Höchstleistungen wie am Fließband. Am Ende hatte die Südtirolerin die Nase vorn. Warum ist es für deinen Sport so wichtig, dass nicht immer die gleichen Nationen nach einem langen und kräftezehrenden Winter die Nase vorn haben?

Das letzte Jahr hat die Breite unseres Sports gezeigt. Im Biathlon ist die Spitze immer mehr zusammengerückt und die Dichte gestiegen. Um vorne dabei zu sein, muss man jetzt ein kompletter Biathlet sein. Es reicht nicht mehr eine Topleistung im Schießen oder eine im Laufen.

Für unseren Sport ist das natürlich ideal. Das Interesse wird größer und größer. Spannende Rennen lotsen mehr Zuschauer zu unseren Wettkämpfen und ich hoffe, dass die Leidenschaft zum Biathlon noch lange nicht sein Maximum erreicht hat.

Lukas Hofer in der Selbstkritik: Was sind deine Stärken und was deine Schwächen? Oder kann es in anderen Worten keinen absolut perfekten Biathleten geben?

Meine Stärken und Schwächen verbinden sich. So bin ich ein ehrgeiziger, motivierter und zielstrebiger Athlet. Dabei versuche ich, auch über das Maximum zu gehen, um Limits zu überschreiten und mich immer weiter zu verbessern. Genau hier ist auch meine Schwäche anzusiedeln. Wenn man zu viel will und zu verbissen an etwas arbeitet, eventuell zu viel nachdenkt, kann so einiges mal schief gehen. Daher sollte ich versuchen, noch ein bisschen mehr Lockerheit in die ganze Sache zu bringen.

Es ist schwierig, den perfekten Biathleten zu finden. Das liegt darin bergründet, weil wir eigentlich zwei komplett verschiedene Sportarten betreiben, die sich ziemlich unterscheiden. Natürlich kann man viel verfeinern, daran arbeiten und sogar versuchen, eine Perfektion zu erreichen. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Vielleicht kommt noch der perfekte Biathlet aus der Kombination der beiden Sportarten.

Lukas Hofer blickt auf eine hervorragende Saison 2019/20 – inkl. sehr guten Auftritten bei der Heim-WM in Antholz zurück, wenn…

… wenn er das Maximum aus sich herausgeholt und alles gegeben hat, um ein gutes Rennen zu bestreiten. Des Weiteren will ich das, was ich im Sommer trainiert habe, abrufen und in optimalster Form nach Antholz kommen.

Natürlich ist man umso zufriedener, wenn man die Ziele erreicht hat. Dazu zählt ein Platz unter den besten Zehn im Gesamtweltcup. Medaillen sind immer Ziele eines jeden Athleten, aber es wird nicht einfach, zumal es immer nur deren drei gibt. Ich werde jedoch bis zur Ziellinie alles geben und darum kämpfen.

Interview für biathlon-news.de: Andreas Raffeiner

Foto: Andrei Ivanov

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