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Dienstag , 10 Dezember 2019

Interview mit Federica Sanfilippo

Seit Jahren ein fester Bestandteil der italienischen Staffeln – Federica Sanfilippo – Foto: Marco Trovati/Pentaphoto

Federica Sanfilippo im Interview: „Dorothea Wierer hat sich die große Kristallkugel mehr als nur verdient!“

Ridnaun/Sjusjøen – In Kürze beginnt die Biathlonsaison 2019/20. Mit dabei ist auch die 29-jährige Südtirolerin Federica Sanfilippo. Die Wipptalerin spricht im Biathlon-News-Interview über den abgelaufenen Sommer, ein Missgeschick in ihrer langen Karriere, die Charakteristik einer kompletten Skijägerin, die Heim-WM in Antholz und die Freundschaft zu ihrer Mannschaftskollegin Dorothea Wierer.

Federica, was kannst du uns über die Trainingseinheiten und -methoden in der warmen Jahreszeit sagen und bereitet man sich auf die bevorstehende Saison anders vor, wenn man weiß, dass eine Biathlon-WM vor heimischer Kulisse stattfindet und man dort besonders motiviert und ehrgeizig an den Start gehen wird? Bis zum eigentlichen Auftakt des Winters 2019/20 im schwedischen Östersund muss man bekanntlich noch einige Male schlafen…

Mein Sommer ist sehr gut und nach Plan verlaufen. Ich habe den Focus noch mehr am Schießen der Skitechnik und dem Krafttraining gelegt. Natürlich ist man sehr motiviert, wenn man weiß, dass die Heim-WM bevor steht. Ich glaube, als Athlet kann man sich sehr glücklich schätzen, einmal in seiner Karriere eine Heim-WM mitzuerleben. Für den Rest bereitet man sich eigentlich wie jeden Sommer gleich mit denselben Abläufen und verschiedenen Trainingslagern der Mannschaft vor.

Foto: Gio Auletta/Pentaphoto

Die frühere deutsche Skijägerin Magdalena Neuner hat einmal als überlegene Führende eines Rennens beim Stehendschießen die Scheiben der zu jener Zeit Zweitplatzierten ohne Not abgeräumt. Man nennt diesen Fehler Crossfire. Ist dir das auch schon mal passiert oder kannst du uns von einem anderen – nicht alltäglichen und dennoch lustigen – Hoppala berichten?

Ich habe zum Glück „noch“ nie – und ich hoffe, es bleibt auch so – (lacht) ein Crossfire in einem Rennen geschossen. Ich glaube, dass das ziemlich das Schlimmste ist, was einem Biathleten passieren kann. Als ich klein war, hatte ich mehr als nur ein Hoppala.

Ein Beispiel: Als ich etwa elf Jahre alt war und noch mit dem Luftdruckgewehr die Rennen bestritt, bin ich nach dem letzten Schießen direkt ins Ziel gelaufen und habe vergessen, noch die Schlussrunde zu laufen. Im ersten Moment war ich super happy, weil ich dachte, als Erste ins Ziel gekommen zu sein. Dies änderte sich schlagartig, als ich realisierte, dass dem leider nicht so war.

Was zeichnet eine komplette Biathletin aus? Reicht als ein ausgesprochenes Talent, sich im entscheidenden Moment zu konzentrieren (Schießen) und für einen längeren Zeitraum konstant eine Ausdauer zu Tage legen (Langlaufen) aus oder müssen viele andere, vielleicht nicht nach außen sichtbare Teile zusammengefügt werden, um das Puzzle zu vervollständigen?

Heutzutage ist im Biathlon die Dichte so groß und die Platzierungen sind so eng, dass mittlerweile sehr viele Damen um einen Podestplatz kämpfen können. Man braucht Ausdauer, mentale Stärke, die richtige Portion Glück, Erfahrung und das richtige Training, um konstant im Weltcupzirkus mitzureden. Jeder hat so seine Schwächen und Stärken. Bei manchen sieht man sie weniger, bei manchen ein bisschen mehr. Aber das Wichtigste ist, so wenig wie möglich im Rennen nachzudenken und im richtigen Moment am Schießstand kaltblütig zu sein. Ich habe sicherlich noch etwas am Schießstand zu lernen. Auf den Skiern hingegen komme ich besser zurecht, wenn meine Form stimmt.

Wenn man die Orte anschaut, an denen der Weltcup gastiert, gibt es einen, an dem das Thermometer  gnadenlos in die Tiefe fällt und nahezu unmenschliche Bedingungen herrschen. Eine Kältewelle, die wir in unseren Breiten gar nicht kennen, hat alle Skijägerinnen ordentlich im Griff. Schon beim Zuschauen in der warmen Stube, begann ich – und ich will ehrlich sein – zu bibbern… Wie kommst du mit diesen Verhältnissen im kanadischen Canmore zu Recht und was ist hierbei das Wichtigste?

Canmore war sicherlich ein Weltcup am Limit. Ich hatte große Probleme mit dieser Kälte, denn das Problem war nicht zu laufen, sondern am Schiesstand stehen zu bleiben. Das Wichtigste war natürlich dicke Kleidung, aber vor allem das bestmögliche Schützen der Lungen und der Gliedmaßen vor der Kälte.

Deine Mannschaftskolleginnen Dorothea Wierer und Lisa Vitozzi haben sich im letzten Jahr bis zur letzten Sekunde gepusht und zu Höchstleistungen angetrieben. Das Gelbe Trikot der im Gesamtweltcup Führenden wechselte nahezu tagtäglich und nach jedem Rennen ihre Besitzerin. Am Ende war die Pustererin ein Quäntchen konstanter und sichtlich auch glücklicher, wenn die Saison vorbei war und sie am Ende ganz oben stand. Bist du stolz, mit solchen Athletinnen zu arbeiten und weshalb hat dieses Duell „auf Augenhöhe“ dem azurblauen Damen-Biathlonsport mehr als nur gut getan?

Es hat mich sehr gefreut, dass am Ende der Saison Doro und Lisa den ersten und zweiten Platz im Gesamtweltcup feiern konnten. Besonders freue ich mich mit Doro, da wir uns schon sehr lange kennen und nicht nur eine Teamkollegin, sondern eine Freundin ist. So weiß ich auch, wie sehr sie sich diese große Kristallkugel verdient hat! Sie ist durch und durch ein Profi und es pusht auch, von solchen Menschen umgeben zu sein. Sie treiben eine ganze Mannschaft an und ich glaube, einen perfekteren Vergleich könnte man mit Doro und Lisa kaum haben.

Interview für biathlon-news.de: Andreas Raffeiner

Die italienische Mannschaft jubelt über ihren Sieg – Foto: Andrej Ivanov

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