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Montag , 16 Juli 2018

Darya Domracheva und der KGB – Skandal ohne Skandal?

Minsk (Selina Juliana Sauskojus) – KGB – diese drei Buchstaben versetzen wohl viele erstmal in Aufregung. Vor allem, wenn sie in einem Atemzug mit einer der erfolgreichsten Athletinnen unserer Zeit genannt werden. Die Meldung, dass Darya Domracheva für den weißrussischen Geheimdienst gearbeitet hat, sorgte in den vergangenen Tagen für Furore. Nun meldete sich die Weißrussin selbst zu Wort, und wieder einmal zeigt sich: selten wird etwas so heiß gegessen wie es gekocht wird.

Domracheva_Pokljuka_2014

Als Profisportler hat man es nicht leicht. Vor allem dann nicht, wenn es um die Finanzierung seines Sports geht. So ist beispielsweise Simon Schempp angestellt beim Zoll, Erik Lesser bei der Bundeswehr. Bedeutet das, dass Schempp sommers an deutschen Grenzen patrouilliert oder Lesser für den nächsten Auslandseinsatz eingeplant ist? Nein. In Sportarten, in denen Sportförderungen und Sponsorengelder nicht ausreichen, um sich komplett zu finanzieren, muss nun mal auch ein Job her. Beispielsweise beim Zoll oder der Bundeswehr.

Nicht anders sieht es da auf internationaler Ebene aus. Und da wären wir auch schon bei Darya Domracheva und ihrem KGB-„Skandal“. Medienberichten zufolge sei sie bis 2014 beim weißrussischen Geheimdienst angestellt gewesen, hätte sogar den Rang einer Leutnantin eingenommen. Das mag alles stimmen, wurde es schließlich auch vom Sprecher des KGB bestätigt. Zur KGB-Agentin macht sie das aber genauso wenig, wie Schempps Anstellung beim Zoll ihn zum Kontrolleur an der schweizerischen Grenze macht.

2014 – die Olympischen Spiele in Sochi. Darya Domracheva gewinnt Gold in Massenstart, Verfolgung und im Einzel. Im selben Jahr verlässt sie den KGB. Die Frage nach dem „Warum?“ beantwortete die Athletin in einer Stellungnahme. Bis 2014 sei sie beim KGB angestellt gewesen, insgesamt acht bis zehn Jahre lang, in Position einer Mitarbeiterin der russischen Nachrichtenagentur Sputnik-News. Dann, nach ihrem überwältigenden Erfolg bei den Spielen sei die Förderung ausgelaufen und nicht mehr notwendig gewesen. Ihre Anstellung sei damit beendet gewesen.

Die vermeintlichen Enthüllungen sind nicht neu. Bereits vor zwei Jahren berichtete die britische Presse über das „Sochi-Golden-Girl“, das als „KGB-Spion entlarvt“ wurde. Auf den ersten Blick liegt eine Assoziation mit einer Spionage-Tätigkeit auf der Hand – schließlich ist es vor allem dieser Bereich, für den der damalig sowjetische Geheimdienst bekannt ist. Weniger bekannt ist aber, dass der KGB auch maßgeblich beteiligt war an der Sportförderung sowjetischer Athleten. So verhält es sich bis heute mit dem weißrussischen KGB. Er macht es vielen Athleten überhaupt erst möglich sich auf den Sport zu konzentrieren. Eine Darya Domracheva ohne staatliche Förderung wäre wohl kaum dreifache Olympiasiegerin geworden. Ihren Rang als Leutnantin hatte sie vor allem deswegen inne, weil sie an Lehrgängen teilgenommen hatte. Je mehr Beteiligung an diesen Veranstaltungen, desto höher der Posten.

Den Gedanken an eine Darya Domracheva, die sich einer Tätigkeit als Spionin hingibt, wenn sie nicht über die Loipen der Welt saust, kann also getrost wieder vergessen werden. Es mag argumentiert werden, dass man sich als Athlet nicht an ein gewalttätiges Regime verkaufen dürfe. Domracheva ist aber keine Politikerin, kein weißrussischer Vitali Klitschko, sie ist Sportlerin – eine sehr gute noch dazu, und dies hat sie wahrscheinlich zu einem großen Teil staatlicher Förderung zu verdanken, so wie auch die meisten anderen Biathleten im Weltcup. Das politische System mag ein anderes sein, das Förderungsmodell im Sport ein ähnliches – und darum geht es am Ende: um den Sport. Und für diesen ist Darya Domracheva unverzichtbar.

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